Aufbruch in neue Welten.

Manchmal wundere ich mich über mich selber. Allerdings ist das auch ein recht erfrischendes Gefühl, wenn man sich selber noch überraschen kann. Ich spiele gerne. Kein Glücksspiel, sondern Computer oder Konsolenspiele und natürlich Gesellschaftsspiele. Speziell bei Computer-/Konsolenspielen mag ich eigentlich eher  Spiele mit einer Handlung und idealerweise etwas Action. Von daher hat es mich sehr überrascht, dass ich „No Man´s Sky“ nicht widerstehen konnte.

No Man´s Sky hat eigentlich keinerlei Handlung. Es gibt zwar ein Ziel (erreiche das Zentrum des Universums), das war es aber auch schon. Im Wesentlichen ist man damit beschäftigt Planeten zu erkunden und vor allem Ressourcen ab zu bauen. Da das Universum in No Man´s Sky 18 Trilliarden Planeten hat gibt es also jede Menge Arbeit. Und genau das ist der Punkt der mich wundert. Ich habe das Spiel gestern Abend zu ersten Mal gespielt und es hat Spaß gemacht. Ich bin eigentlich kein Jäger und Sammler und versuche nicht bei Spielen 100% zu erreichen und auch das letzte versteckte Item zu finden. Und doch musste ich mich gestern Abend irgendwann zwingen den Controller aus der Hand zu legen nachdem ich zu Fuß (sic!) den Start Planeten weitest gehend erkundet hatte. Immer wenn ich dachte, es wird Zeit zum Raumschiff zu gehen und das Ding endlich zu betanken damit man auch mal ins All kommt habe ich wieder etwas entdeckt, das mich neugierig machte. Als ich den Entschluss mit dem All endlich in die Tat umgesetzt hatte, hatte ich 71% des Planeten erforscht. Zu Fuß. Bei Regen. Genauer gesagt bei toxischem Regen. Ich habe gelernt, dass auf diesem Planeten Zink eine für mich sehr wichtige Ressource ist, denn damit regeneriert man den Giftschutz. Ich habe mit dem begrenzten Inventar gekämpft, Alien Gebäude untersucht, Tiere beobachtet und erste Brocken Alienisch gelernt (19 Worte). Sogar ein einzelnes einsames Alien habe ich getroffen. Leider habe ich nur das Wort selten verstanden von dem was es sagte. 19 Worte Wortschatz sind einfach nicht genug für eine vernünftige Unterhaltung. Noch nicht mal für Small Talk. Das Universum selber ist prozedural generiert, also mehr oder weniger zufällig (eher weniger, weil die Grundkomponenten natürlich definiert sind). Man kann jeder Spezies, die man entdeckt und jedem Planeten sogar einen eigenen Namen geben und auf die Server hochladen. Theoretisch ist es sogar möglich andere Spieler zu treffen. Damit man nicht unbedingt gänzlich verloren ist, gibt es insgesamt drei „Pfade“ denen man ins Zentrum folgen kann. Muss man aber nicht. Ich habe dennoch den Atlas-Pfad mal aktiviert. Mal schauen wohin er mich führt. Auch bei den Pfaden ist nicht so, dass man konkrete Richtungsanweisungen bekommt. Wie alles andere offenbaren Sie sich beim erforschen der Galaxie. In zwei Hinsichten ist das Spiel zudem mit Spielen wie Dark Souls vergleichbar:

  1. Es gibt keinerlei Anweisungen wie etwas funktioniert. Viele Mechaniken muss man sich selber erschließen. Es wird zwar angezeigt, welche Taste man aktuell drücken muss, aber das Inventar- / Crafting-System wird nicht explizit erklärt. Learning by doing.
  2. Nach dem Tod kann man seine verlorenen Sachen wieder bekommen. Am eigenen Grab. Allerdings nur dann, wenn man auf dem Weg dorthin nicht noch einmal stirbt.

Es gibt auch keinerlei Hinweis am Anfang, welche Ressourcen wichtig sind. Man sammelt am Anfang erst mal alles ein, was einem über den Weg läuft, um dann festzustellen das gar nicht genug Inventarplatz vorhanden ist. Erst nach einiger Zeit lernt man, welche Ressourcen am Anfang wichtig sind und was man erst einmal „übersehen“ sollte. Das Inventar lässt sich zwar ausbauen, es gib Upgrade Stationen, allerdings muss man auch diese finden. Irgendwo auf dem Planeten. Und Upgrade heißt dabei nur: 1 Platz mehr. Bedenkt man, dass die Technologie Upgrades, die man in seinem Anzug installieren kann auch einen Inventarplatz brauchen, wird das Dilemma vor dem steht ziemlich deutlich: es gibt sehr viel zu sammeln, leider kann man nicht ales nehmen, was man gerne hätte und zudem muss man auch noch aufpassen, dass man nicht seinen Platz durch zu viele Upgrades weiter einschränkt.

Und ja, eigentlich ist das alles sehr repetitiv, Grinding, Grinding und noch mehr Grinding. Und trotzdem macht es Spaß. Es regt die Fantasie an, verleitet einen dazu seine eigenen Geschichten für das Universum zu erfinden und sich ein ganz kleines bisschen wie dereinst Captain Kirk mit seiner Enterprise zu fühlen. Schließlich stößt man auch in unbekannte Weiten vor, nicht wissend was einen auf dem nächsten Planeten erwartet. Bislang hatte ich Glück und alle Aliens & Tiere waren freundlich. Ich fürchte aber das Glück wird nicht ewig halten. Also heißt es weiter forschen, Ressourcen sammeln, Baupläne finden um die Ausrüstung und die Waffen zu verbessern. Vielleicht reicht das Geld ja irgendwann auch mal für ein größeres Schiff (oder ich finde eines, auf das ich Anspruch erheben kann). Eventuell schaffe ich es auch irgendwann ins Zentrum des Universums. Bei meinem Spieltempo ist das allerdings eher unwahrscheinlich. Das hinterlasse ich dann als Aufgabe an meine nicht vorhandenen Nachkommen.

Zwischenfazit nach einem Abend: No Man´s Sky ist kein Spiel für jeden. Die Mechanik besteht im wesentlichen aus erkunden, abbauen und Craften. Zudem ist es ein sehr geruhsames Spiel. Es gibt zwar feindselige Aliens, wer allerdings ein reinrassiges Actionspiel erwartet ist hier definitiv fehl am Platz. Der Reiz liegt vor allem in den Geschichten, die man in seinem Kopf entstehen lässt. Daran dass das Spiel durch die Ego-Perspektive es einem ermöglich sich selber als der Entdecker der Welten zu sehen. Durch die Begrenzte Anzahl an Elementen werden sich die Planeten, Pflanzen und Tiere sicher recht schnell ähnlich sehen. Trotzdem bleibt es in meinen Augen reizvoll. Selbst aus einer begrenzten Anzahl an Lego-Steinen kann man mit Hilfe der Fantasie eine Menge erschaffen. Warum also nicht auch aus Planeten, die aus ähnlichen Elementen bestehen, auf denen man aber immer neue Pflanzen und Tiere trift. Wenn man Lust hat kann man ja immer noch jeder Spezies, die man entdeckt auch noch einen neuen Namen geben. Trotzdem bleibt bei einem solchen Spiel natürlich die Frage nach der Langzeitmotivation, zudem das Spiel nicht beendet ist, wenn man das Zentrum erreicht. Trotz allem bin ich mir sicher, dass ich nicht über die Investition in das Spiel ärgern werde. Zum einen bietet jedes Spiel nur eine begrenzte Zeit Spaß (selbst The Witcher 3 war irgendwann durchgespielt), zum anderen handelt es sich hierbei um einen Indie Titel, den ein kleines Team auf die Beine gestellt hat. Und letzteres ist etwas, das man unterstützen sollte. Kleine, unabhängige Studios haben im Augenblick zum einen mehr Mut neue Wege zu gehen, zum anderen haben Sie in der Regel nicht „ihre Formel“ bereits gefunden, nachdem Sie alle Spiele aufbauen. Das genau ist zumindest im Augenblick in meinen Augen das Problem bei vielen AAA-Titeln.

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